1544 Ludwig Stollen von Mainz, Fechtmeister der Marxbrüder

Cod.I.6.2º.5_12r

Der folgende Brief wurde für den Marxbruder Meister Ludwig Stolle von Mainz verfasst, der in der Marxbrüder Chronik von Cod.I.6.2o.5 aufgeführt ist. Dort wurde sein Meistertitel 1532 festgehalten. Der Brief wurde von Albrecht von Preußen (17. Mai 1490- 20. März 1568) gegeben. Er war der letzte Großmeister des Deutschen Ordens, der nach seinem Wechsel in das Luthertum der erste Monarch des Herzogtums Preußen wurde. Wie viele andere der Marxbrüder war Ludwig Stolle Kürschner in seinem Beruf, und die Erlaubnis des Herzogs macht Meister Ludwig nicht nur zum Fechtmeister für seine Lebenszeit am Hofe, sondern macht ihn zum Hofkürschnner. Der Brief garantiert ihm, sein Geschäft abzuschließen und etwas mehr Geld zu verdienen. Außerdem erhielt Ludwig ein Jahresgehalt von 20 Mark, jährlich ein neues Kostüm, das dem eines Hofdieners entsprach, und eine Wohnung in der (wahrscheinlich ehemaligen) Infirmie, in der er wohnte.

Albrecht von Preußen

Albrecht von Preußen

Ludwig war ein außergewöhnlicher Fechtmeister, denn der Herzog war sehr darauf bedacht, dass der Meister niemandem das geheime Wissen seiner Kampfkunst erzählte. Er durfte das “Gemeine Fechten”  den jungen Rittern beibringen, die ihm vom Hof geschickt wurden. Aber nicht die Geheimnisse. Es war ihm sogar verboten, diese geheimen Tricks in einem Kampf zu benutzen, so dass niemand sie ausspionieren konnte. Um dies zu ermöglichen, wurde er von der rituellen Herausforderung anderer Meister ausgeschlossen. Kein anderer approbierter Meister oder reisender Meister hatte das Recht, ihn herauszufordern oder zu einer Kampf- und Trainingsveranstaltung “Fechtschule”  aufzurufen.

Bestallung Meister Ludwigs Fechtmeister, Actum Neuhausen, den 30. Juni 1544

Von Gottes Gnaden Wir Albrecht Markgraf zu Brandenburg in Preußen cum titulo. Nachdem uns auf unser ansinnen und begehren der Ersam unser Fechtmeister und lieber getreuer Ludwig Stolle von Melnz in ezlichen sonderlichen stücken der Ritterlichen Kunst berichtet, sich auch in solcher Berichtung dermaßen erzeigt, darob wir eine gnedige gebürende erstatzung zuzhun gnediglichen verheißen und zugesagt, Damit wir aber nun feine Kunst vollends an der Hand behalten er auch feiner Gutwilligen underthenigen berichtung umb sovil mehr zu genießen, So bekennen wir und thun kundt gegen Jedermenniglichen dieses unser offenen brieffs ansichtigen, Insonderheit aber den es zu wissen von nöthen, das Wir bemelten Ludwigen Stollen von Meintz volgender gestalt zu unserm bleibenden Diener und Fechtmelster beredt bestelt und angenommen haben, bestellen und nehmen Inen auch hiemit und in crafft diese unser Brieves dieser maßen an, Also das er die tag seines Lebens unser bleiblicher Fechtmeister sein, unsere Schule halten und die Jugent die wir Ime bevelhen in gemeinem Fechten underweise, dieselbe sonderliche Kunst so er uns berichtet bei sich behalten und sonsten niemandten weder umb gelt, geldes wert, gunst oder ander willen, ohne unser vorwissen und zulassung underweisen, vertrauen noch offenbaren solle. Ueber da wollen wir Ime über seinen willen auch keine andere Dienstbarkeit auflegen, Es were dann do uns Kriegsgescheffte fürfielen und wir Inen neben andern für einen Drabanten gebrauchen thetten, solde er sich in der Besoldung wie andere treulichen brauchen zu lassen, und sich sonsten in allem seine höchsten Verstandes und vermögen unsern frommen, ehre, gedey, Nutz und bestes zu fürdern, schaden und nachtheil zu wenden verpflicht und verpunden sein.
Ferner wo etwan andere Fechtmeister oder freifechter ln unser Hof kemen und schul halten wollen, solle keinem die schule, er habe dann Inen al unsern Fechtmeister zuvor darumb besprochen, zugelassen werden, Inen aber für fein Person wollen wir hiemit vermittels diese unser Brieves gefreiet haben (wie ohne da die meister des Schwert mit kayserlich Privilegien nottürfftig versehen) da er sich mit keinem (sovern er nicht mit gutem eigenen Witten thut) wer der auch sei und an Ine keme umb die Schule, schlahen oder fechte dorffe. Geschehe es auch, das Ime Leute die schlecht fechten, umb gebürende vergleichung von Ime zu lernen gedechten fürstießen, wollen wir Ime dasselbe nicht gewehret, sonder allein die sonderlichen stück die er uns bericht, bei Ime behalten haben. Dagegen und umb solches seiner Dienstbarkeit willen sollen und wollen wir unsel erben, erbnehmer und nachkommenbe herschaft offtgenanten Ludwigen Stolle von Meinz die tag seine Leben Jerlichen und ein Jdes Jar besonder Zweinzig Markl jhe zweinzig groschen preusch ganshaftiger möntz für eine Mark gerechnet, deßgleichen ein gewonlich Hofkleid, wie unsern Edelleuthen auß unser Rentcahmer nebene dem tische zu hove auch bei unfern Edelleuthen und freier Wohnung ln der Obern Firmaney an der Eck gelegen, darynncn etwan unser Zeugschreiber der Schaff gewont, über das was wir Ime von seine Kunst die er uns berichtet zu geben zugesagt, gnediglichen geben und reichen lassen und umb noch merer gnediger erzeigung willen auch zu bessermseinem Underhalt haben wir Ime unsere Hofkürschnerei, daß er dieselbe arbeit, wie sie zuvorn andere unsere Hofkürschner gehabt haben, sollen zugesagt. Alles treulichen und ohne geverde. Zu Urkunde haben wir diesen Brief mit unserm Secret wissentlich becsiglen lassen und geben zu Neuhausen ut supra

princeps audivit
B. Gans


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