1731 – Federfechter und der Niedergang der Kunst

Eine Kunstform der Deutschen Literatur ist das Satirische Gedicht. Dabei werden wie in der Satirischen Erzählung existierende oder eingebildete Missstände überzogen dargestellt. In den “Neukirchischen Satyren” bringt der Autor Gottfried Benjamin Hancke im Jahre 1731 seinen Unmut über den Zustand des Deutschen Landes zum Ausdruck. Dabei kommen auch die Fechter, besonders die Federfechter, nicht zu kurz:

O Feder-Fechter schreyt ein neu getauffter Held
Dem sein erkauffter Mut die Leber aufgeschwellt
Man sieht wohl, daß du nur im Staube stets gesessen
Und bey geräumter Kunst dein altes Blut vergessen
Das doch aus Wappen floß Dächt alles so wie du
So müst ein Bauer nur bey seiner Milch und Kuh
Ein hoher Bürger Geist im Rathe nur verderben
Und durch versäumten Bau der Adel gar ersterben

Interpretation

Interpretiert und übertragen lautet dieser Teil des Gedichts:

“Oh! Federfechter, schreit ein neu getaufter Held” – Die Taufe des Federfechters erfolgt in der Meisterprüfung, damit kann er sich als Held fühlen, ohne einer zu sein. Der Bezug zwischen Fechtmeister und militärischer Laufbahn und Heldentum war im 18. Jahrhundert schon lange verloren.

“Dem sein erkaufter Mut die Leber aufgeschwellt” – Die Fechtergemeinschaften galten nicht selten als Saufgemeinschaften, die mehr Zeit in den Kneipen, denn in den Übungssälen verbrachten.

“Man sieht wohl, dass du nur im Staube stets gesessen” – Der Staub ist der Sand oder das Sägemehl auf dem Boden der Fechtschule. Wer dort sitzt, hat sein Gefecht verloren.

“Und bei geräumter Kunst dein altes Blut vergessen, das doch aus Wappen floss” – Die geräumte Kunst enthält nur noch Bruchstücke der ursprünglichen, die Zeiten als noch Blut auf der Fechtschule und im Gefecht floss, sind vorbei.

“Dächten alle so wie du, so müsste ein Bauer nur bei seiner Milch und Kuh, ein hoher Bürgergeist im Rath nur verderben, und durch versäumten Bau der Adel gar ersterben” – Würden alle die Pflichten und Traditionen so wenig achten, wie die Federfechter, so wären freie Bauern, hohe Bürger und auch der Adel, somit die drei Stände, wenig hilfreich im Land.

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