Härte und Weiche

Foto: Markus Künzel

In jeder Kampfkunst gibt es Hart und Weich – im Goju-Ryu, einem der ältesten Karate Schulen ist dies sogar namensgebend. Die Notwendigkeit mal HART mal WEICH zu agieren war auch den Europäischen Meistern bekannt.

wenne einer mit dir ein haut oder sticht so soltu gar eben mercken wenne ein messer an das ander klitz ob er Im pandt waich oder hertt sey vnd als pald dw des empfindest so arbeit Indes

Johannes Lecküchner

Die Härte und Weiche ist keine Eigenschaft der Waffe, sondern genauso wie Stärke und Schwäche eine Kombination aus Waffeneigenschaft und Einsatz des Gegners. Der Anteil der menschlichen Komponente wird von den Fechtmeistern höher bewertet als die Waffeneigenschaft, denn sie nennen nur selten die Härte als Substantiv und die Weiche niemals. Während Stärke und Schwäche die Hebelkräfte betrachten, widmet sich Härte und Weiche der Flexibilität und den Reibungskräften.  Auch ein sehr starker Gegner kann mich nicht aufhalten, wenn ich seine Waffe zur Fläche verbiegen kann oder entlang seiner Fläche entlang gleite. Aufgrund des massiven Rückens des mancher Waffen wie das Lange Messer ist das Verbiegen jedoch oft zu vernachlässigen. Aber trotzdem ist ein Mensch mit seinem Handgelenk in der Fläche der Waffe weicher (nachgiebiger) als in der Schneidrichtung. Er kann weniger Gegendruck aufbauen. Somit ist auf jeden Fall eine gewisse Flexibilität gewährleistet.

Das ist im Begrifflichen von einem „harten Schlag“ zu unterscheiden. Ein harter Schlag ist ein sehr schneller kräftiger Hieb. Hart oder Weich brauchen keinen Hieb –  ein Stich tut es auch, aber sie brauchen das Band (den Kontakt der Klingen). Ob beim Kontakt aus einem harten Schlag jemand hart oder weich in der Klingen wird, ist ein anderes Thema, das von Druck, Klingenwinkel und Schneidwinkel erzählt und im Kapitel Reibung endet. Reibung entsteht durch die Art des Kontaktes und den Druck des Gegners dabei. Während  Schneide auf Schneide sich verbeißen, gleitet man über die Fläche hinweg. Ein Kontakt von Schneide auf Schneide wird sich selten “glitschig” anfühlen, genauso wenig wie ein Kontakt Fläche auf Fläche sich verbeißen kann. Jedoch kann ein völlig nachgiebiger weicher Kontakt sich ebenfalls kaum ineinander verbeißen.

Jemand der hart im Band ist, lässt seinen Gegner nicht an der Klinge vorbei, nicht an ihr entlang rutschen und erst recht nicht einfach mal durch. Jemand der weich im Band ist, der lässt den Gegner an sich selbst komplett vorbei, schlicht wegrutschen und einfach mal ins Leere laufen.

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