Huten und Leger – auf der Wacht sein

Huten sind als Ausgangs- und Endpunkt einer fechterischen Bewegung zu verstehen, die automatisch während des Gefechtes durchlaufen werden. In einer Bewegung ruht man nicht, genauso wenig in den Huten.

SO vil nun aber die Leger belanget / so will ich nicht das man in deren e inem lang verharre / dann sie seind auch solcher ursach halben nicht erfunden noch außgetheilt worden

Joachim Meyer

Über die Huten ist so viel geschrieben und verfasst worden, dass mit ein paar Mythen aufgeräumt werden muss:

  • Huten decken Blößen, in den Huten ist man geschützt
    Vollkommen falsch, jede Hut wird durch einen der Haupthäue gebrochen, da gibt es keine Deckung.
  • Huten bieten Blöße an und verführen den Gegner
    Richtig, eine Hut kann einen Gegner dazu verführen, die offensichtliche Blöße anzugreifen. Aber nur, wenn man das Risiko eingehen will, als erstes gehauen zu werden, statt selber als erstes zu treffen.
  • Aus den Huten wird gehauen
    Richtig für die meisten, denn sie entsprechen den Ausholbewegungen.
  • In den Huten droht man den Gegner
    Leider falsch, man zwingt ihn höchstens einen kleinen Umweg zu laufen.
  • In den Huten kann man sich ausruhen
    Nur wenn man sich in einer Distanz befindet, in der man sich sowieso ausruhen kann. Dann braucht man allerdings auch keine Hut.
  • Aus den Huten kommen die Stücke
    Richtig, wenn man sie übt, denn irgendwo muss man ja anfangen. Im Gefecht kommen die Stücke aus dem Zufechten.
  • Mit den Huten spielt man taktisches Schach mit dem Schwert
    Nur wenn man sich selber matt setzen will. Denn außerhalb des Zufechten interessiert das keinen Mensch und innerhalb des Zufechtens wäre das reichlich dämlich.
  • Man soll zwischen den Huten wechseln
    Falsch, wozu soll das gut sein? Um Kraft zu verbrauchen und mit einer leicht voraus zu berechnenden Vorsatzbewegung dem Gegner die Zeit zum angreifen zu geben?

Aber wozu sind dann Huten gut?

  1. Eine Hut dient den Fechtmeistern als Ausgangspunkt für Übungen in der Lehre. Da sie in den Ausholbewegungen und in den Endpunkten durchlaufen werden, sind sie der ideale Startpunkt zur Vermittlung einer Gefechtssituation.
  2. Eine Hut dient dem Fechter im Nach, eine schnelle Gegenaktion sinnvoll durchzuführen (Guardia, Wacht, auf der Hut sein). Ein Fechter im Vor benötigt keine Hut. Daher wird in jeder von Liechtenauer inspirierten Lehre zuerst die Aktion im Vor gelehrt, bevor man sich den Huten widmet.

Der Satz aus dem ältesten Liechtenauer Manuskript ist oft so verstanden worden, dass man sich munter durch die Huten bewegen soll. Doch nichts liegt dem Autor ferner. Es wird gewarnt in einer Distanz in und unterhalb des Zufechtens in einer Hut auch nur eine Milisekunde zu verharren ohne auf den Gegner Druck durch Arbeit an der Waffe auszuüben. Nur wer ohne zu Zögern sich bereitwillig der jeweiligen Fechtsituation am schnellsten anpasst und sie ausnutzt wird das Gefecht gewinnen.

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