Meisterprüfung

Meisterbrief

Ein “Meister der Neuen Marxbrüder von Frankfurt am Main” ist ein von anderen Fechtern empfohlener Fechter, der eine Prüfung bestanden hat. Die Prüfungsordnung basiert weitestgehend auf historischen Quellen. Dies ist wesentlich für eine Fechtkunst, welche sich auf historische Quellen beruft.

Der Wert und die Akzeptanz der Zertifizierung hängen vom Schwierigkeitsgrad der Prüfung, der Reputation der Prüfer, der Transparenz der Methode und der Nachvollziehbarkeit ab.

Es ist der erklärte Wille der Neuen Marxbrüder, die beste Qualität bei der Testdurchführung zu gewährleisten und die Einsätze hoch zu halten. Der Test soll als eine Herausforderung für diejenigen angesehen werden, die sich selbst testen wollen, um bessere Lehrer zu werden. Diese Prüfung dient keinesfalls dazu, Fechter über andere Fechter zu stellen.

Die Umsetzung des Prozesses braucht den guten Willen aller beteiligten Personen. Dies sind die Schritte durch das Prüfungsprogramm.

I. Bewerbung

  1. Eignungsanfrage
    Bewerber fragen unverbindlich an, ob sie seitens des Prüfer geeignet sind. Dazu verfassen sie ein Anfrageschreiben mit folgenden Inhalten:
  2. Anfrageschreiben
    1. Name
    2. Fechtschule oder Verein des Antragstellers
    3. Historische Quellen, aus welchen die Kunst entnommen wurde
    4. Eine bevorzugte Waffe, die getestet werden soll
    5. Eine Kampfkünste-Vita, die mindestens folgendes praktisches Expertenwissen dokumentiert
      • fünf Jahre Praxis in historischen Fechten (mit je dem Namen und Kontaktdaten der Ausbilder)
      • drei Jahre als Fechtlehrer oder Trainer im Historischen Fechten (mit je dem Namen und Kontaktdaten von drei Schüler)
      • acht Teilnahmen an Klassen bei internationalen oder nationalen Veranstaltungen Fechten (mit je dem Namen und Kontaktdaten der Ausbilder)
      • einen Workshop oder Seminar gehalten bei internationalen oder nationalen Veranstaltungen Fechten (mit je dem Namen und Kontaktdaten der Veranstalter)
      • optional: Turnierteilnahmen und -erfolge
    6. Persönliche Vorstellung
      Bewerber stellen sich persönlich bei den Prüfern vor und zeigen ihr Können.
    7. Virtuelle Vorstellung
      ein Video der Fecht- und Lehrfähigkeiten (jeweils 5-10 Minuten lang unter Verwendung einer Video-Upload-Plattform, das Video kann, muss aber nicht öffentlich sein)
    8. Eine Aussage von zwei Lehrern, die für den Antragsteller sprechen
  3. Annahme oder Ablehnung der Bewerbung
    Die Jury der Marxbrüder bestehend aus drei Meistern oder Gründern wird daraufhin nach einigen Tagen eine Antwort senden. Die Antwort enthält ein einfaches “Ja” oder eine vernünftige Antwort für ein “nicht jetzt”.
  4. Probezeit
    Nach Annahme der Bewerbung kann nun der Titel „Angelobter Meister“ verwendet werden.
    Die „Angelobten Meister“ haben ein Jahr Zeit, sich in Frankfurt am Main zur Prüfung einzufinden und ihre Prüfung abzulegen. Diese besteht aus Theorie und Praxis.

II. Die Prüfung

  1. Prüfung der Theorie
    Jeder Meister sollte in der Lage sein, einen zentralen Aspekt der Kunst theoretisch zu erklären. Zu diesem Zweck senden die „Angelobten Meister“ einen Aufsatz ein, der aus mindestens 1500 und höchstens 5000 Wörtern besteht.

    • Veröffentlichung
      Die Sprachqualität dieses Aufsatzes sollte gut genug sein, um auf der Gemeinschaftsplattform veröffentlicht zu werden. Die Veröffentlichung auf einer solchen Plattform ist verpflichtend.
    • Rezension
      Der Aufsatz wird überprüft und sollte gegebenenfalls überarbeitet werden. Die Qualität des Inhalts sollte gut genug sein, um in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht zu werden.
    • Abnahme
      Der Überprüfungsprozess wird nicht mehr als drei Entwurfsversionen zulassen. Wenn das Qualitätsniveau nach dem 3. Entwurf nicht erreicht wird, ist der Antrag auf den Titel “Meister der Neuen Marxbrüder von Frankfurt am Main” verloren und kann nur nach Ablauf eines Jahres erneuert werden.
      Wurde die Qualität erzielt, so ist die Theorieprüfung abgenommen und bestanden.
  2. Praktische Prüfungen
    • Termin
      Die „Angelobten Meister“ müssen sich binnen eines Jahres zur praktischen Prüfung in Frankfurt am Main bereitstellen. Sollte seitens der Marxbrüder eine Verzögerung stattfinden, geht dies nicht zur Lasten des Prüflings.Der Termin für die Präsentation wird in bilateralem Interesse sein (Ziel der Gemeinschaft ist es, alle zwei Jahre eine Testveranstaltung zu veranstalten). Kann die Community innerhalb eines Jahres keinen Test anbieten, verlängert sich der Titel des „Angelobten Meisters“ um ein weiteres Jahr.
  3. Teil 1 Prüfung der praktischen Kampfkünste
    1. Es werden je drei Fechtgänge gegen erfahrene Fechter in jeder der folgenden drei Reichweiten bewertet. Diese Reichweiten werden unabhängig von der bevorzugten Waffe des Antragstellers getestet. Sie werden als Fundament der historischen europäischen Kampfkünste verstanden.
      – Reichweite Nah: unbewaffnet oder Dolch
      – Reichweite Mittel: Einhandwaffe oder Einhandwaffe & Schild
      – Reichweite Weit: Zweihandwaffe oder Stabwaffe
    2. Die Länge jedes Fechtgangs beträgt zwei Minuten. Mindestens drei verschiedene Fechter werden als Prüfungspartner für den Antragsteller auftreten. Zwischen den Kämpfen in jeder Kategorie gibt es nur die notwendige Pause, um den Partner zu wechseln. Wenn sich die Kategorie ändert und dadurch auch die Waffen, wird die Pause so kurz wie möglich sein, gerade genug Zeit, um einen Schluck Wasser zu nehmen, und etwas Schutzausrüstung hinzufügen (Ringen und Dolch werden nicht in der gleichen Schutzausrüstung wie Zweihandwaffen durchgeführt).
    3. Jeder Fechtgang beginnt und endet mit einem richtigen Gruß. Das Ende wird von einem Mitglied der Jury einberufen. Jeder Kampf wird von zwei “Grießwarten” überwacht, die den Schlagabtausch sichern. Sie unterbrechen den Kampf, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist. Die Sicherheitsrichtlinien sind: so viel Schutz wie nötig, so dass jeder eine sehr gute Chance hat, gesund nach Hause zu kommen, ohne schwerere Blessuren als Kratzer und Blaue Flecke (aber nicht ohne sie solche Blessuren).
    4. Der Bewerber muss nicht alle oder einige dieser Kämpfe gewinnen, sondern muss die Verwendung der Kunst demonstrieren. Die Jury wird sich um die Zurschaustellung von guten Taktiken, den Einsatz von Techniken, den Siegeswillen und den ungezügelten Kampf, eine gute Beinarbeit, das Verständnis der Begriffe Entfernung, Winkel und Höhen usw. kümmern. Der Bewerber muss Exzellenz zeigen während der gesamten Dauer von 24 Minuten, und kontinuierlich auf einem konstant hohen Niveau fechten.
  4. Teil 2: Prüfung der Lehrfähigkeiten
    • Die Tests zur Lehrfähigkeit werden mit der im Antrag als bevorzugt genannten Waffe durchgeführt.
    • Die „Angelobten Meister“ müssen eine mindestens 10 Studenten umfassende Lehrveranstaltung unterrichten (Dauer ca. 60 Minuten). Von den Studenten sind maximal drei dem Probanden bekannt. Die Studierenden werden interviewt und sollen nach dem Unterricht das Gelernte der Jury vorführen. Die Jury wird die Klasse beobachten.
    • Darüber hinaus müssen die „Angelobten Meister“ eine 1: 1 Unterrichtssituation mit einem erfahrenen Schüler durchführen (Dauer ca. 30 Minuten). Es wird bevorzugt, einen Schüler mit guten Kenntnissen und Trainingshintergrund in der getesteten Tradition und Waffe zu haben. Wiederum wird der Student nach dem Test interviewt und soll zeigen, was er / sie gelernt hat.
    • Der Bewerber wird nach dem Wissen seiner Lehrfähigkeiten befragt. Diese Fragen decken die praktische Umsetzung von theoretischem Wissen zu allgemeinen Sporttrainingsthemen wie Übungen, Fitness, Muskelentwicklung, Vermeidung von Verletzungen, Sicherheit, Erste Hilfe und Unterricht ab.
      HINWEIS: Bei Besitz einer Trainier Lizenz C eines anerkannten Sportverbandes entfällt dieser Punkt.
  5. Teil 3: Prüfung des praktischen Wissens
    • Die „Angelobten Meister“ müssen demonstrieren, dass sie tiefe Kenntnis der Kunst besitzen und dieses Wissen an andere weitergeben können. Sie müssen fachliche Fragen beantworten, die nur von einem absoluten Experten dieser Kunst beantwortet werden können. Die Antworten müssen auch mit der Waffe gegeben werden und können nicht nur durch Worte erreicht werden.
    • Die Antworten müssen nicht mit der allgemeinen Meinung oder der Meinung der Jury übereinstimmen, sondern müssen logisch sein, in einer praktischen Situation anwendbar und außerdem mit allgemeinen Kampfkunstkonzepten kompatibel sein. Der Antragsteller muss seine Quellen sehr genau kennen, um diesen Test zu bestehen.
    • Die Dauer dieser Prüfung und die Anzahl der Fragen sind nicht festgelegt. Dies hängt durchaus von der individuellen Fähigkeit zur Präsentation ab. Daher möchten wir niemanden benachteiligen, dem das Talent zum Showmaster nicht gegeben ist.

 

III. Ergebnis der Prüfung

Siegel der MarxbrüderNach Bestehen der Prüfung erhält der „Angelobte Meister“ einen Meisterbrief und kann sich sofort „Probierter Meister nennen“.

 

Historische Quellen zur Prüfung

Frankfurter Fechter Ordnung von 1491 in Cod.I.6.2.5 (Universitätsbibliothek Augsburg, Germany) transkribiert von Olivier Dupuis.

8v So man New maister machen wil so soll man jne vormenigclichen furstellen vnd Fechten lassen jn welcher werhe Er begert mayster zuwerden vnd die mayster sollen auch alle mit jme Fechten jglicher zum minsten 2 oder 3 geng, vnd jn Offenlich vnd wol versuchen vnd daruach (sic) zu jrem gut duncken zu mayster machen, vnd als dann so der mayster auff das Schwerdt nider kniet soll Er vnser lieben Frawen zwen s auff das Schwerdt Opffern vnd legen, die hebt ain haubtman auff Darnach soll man jne haimlichen versuchen jn dem Capitl darzu soll der haubtman 2 oder 3 maister schicken die jne versuchen jn welcher gewehr Er dann von den selben maystern zu gelassen wurd Darin sol man jn mayster machen vnd Er sich Einem mayster Schreiben vnd Nenen vnd nit weitter jn seinen Brieff geschriben werden /.

15v (nach 1530) Jttem so Ein Newer maister fürsten will vnnd begert maister zu werden soll Er zuuor seine articul vorbenent vor dem haubtman gnugsam beweren vnnd hie stelen dem nach so soll Er Offentlichen fürgestelt werden vnnd jn seiner Kunst vnnd maisterschafft gebrauchen vnnd brobiern lassen vor aller menigclich vnnd welcher sein begert auff freÿer walstat doch jnn Freÿer kunst dem selbigen soll Er zu willen werden vnnd mit Einem jeden zwen geng One abschlag. zu willen sein, vnnd ob Es sach were das Er solch kunst gebraucht, vnnd vnuerlegt nach Erkantnus des Haubtmans vnnd gemainer maister bestat, als dann soll Ein jeder maister Einen ganng mit dem Schwert thon vnnd jne wol versuchen als vil maister so verhanden weren vnnd wer Es sach das Er solch maÿster der Kayserlichen Freihait gnugsam wid<er>standt, thette vnuerlezt so soll Er dar nach Offentlich seinen aid thun vor allermenigclich.

15r Nach den stucken wie hernach geschriben vnnd were Es sach das Er solcher stuckh nit bericht were so soll Er nit zu maister zugelassen werden So lanng bis Er solch stuckh Recht vnnd Redlich Vor dem haubtman Vnnd Etlichen seinen mittbrudern, die dann der haubtman darzu Erforscht, bewert

hat, vnnd als dann so Er solch Stuck gnugsam Brobiert hat darnach soll Er vor ainer gannzen gmain brobiert vnd bewert worden vnd sunst gar nicht zu gelassen werden soll. 

Zum Ersten Soll jn der haubtman versuchen jn dem jn der 5 verborgne hawe Erforschen [au]ch jm als Einfach, zwaifach vnd dreifach vnd darnach jn der anndern wöre des Tußacken auch also des gleichen jn der Dritten wöre der stanngen soll er auch versucht werden, wie jm Schwerdt.

Zum anndern soll er auch Brobiert werden jn den Sechs maister hawen Schwech vnnd Sterckh vnnd schweche vnnd darnach Oberhaw zoren Ort jm trawer, darnach sterckhe jn den krumbhaw mit abschneidung darnach Schiller denen heien mit Schottler darnach zwirch haw zucken vnd treffen vnd stesten35 darnach den alber der versazung vnd die Brob jm dolchen seÿs vnnd Bruch, zwen stich Oben zwen stich vnnden zwen stich zu der seitten Linckh vnnd Recht zu der Ober blosse /

Jttem Welcher maister solch vorbenante prob vnd stuckh nit hette der Soll An keinem thail des maister gelt oder Schlul (sic) gelts haben, bis so lang vnnd vil bis Er solchs gelernt ohn alle zu Rede keinen thaill neme/.

Fechtgedicht von Roesner 1589:

Wer nun Meister sein will des Schwerts / In diesem Ritterlichen schertz / Derselb in der Herbst mess allein / Zieh hin gen Franckfurt an den Meyn /

Alda wird er Examinirt / Von den Meistern / des Schwerdts probirt / In allen Wehren / hie berürt / Was einem Meister zu gebürt. Fechtens Kunst / den verborgnen Kern / Kan er das Meisterlich gewern / Als denn man ihn zum Meister schlecht / S. Marxen Brüderschaft empfeht.

Matthias Quad von Kinckelbach in Cologne in 1609 “Teutscher Nation Herligkeit” 

Hie ist auch weiter zu mercken/ das in der Franckfurter Messen die Fechtmeister zu Franckfurt gewalt haben andere Fechtmeister zu machen/ und ihnen die Titel der Meisterschaft zu geben/ und ist solches den Franckfurtern Burgern fur ein sonderlicher freiheit von den Röm. Künigen gegeben worden/darumb so mag keiner an einem andern ort den nahmen eines Freifechters uberkommen und erlangen allein zu franckfurt.

 

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