Über Fußarbeit im Schwertkampf

Fußarbeit in der Renaissance

Eine weit unterschätzte und vernachlässigte Arbeit im Historischen Fechten ist diejenige mit dem Fuß. Die vorgeschobene „Begründung“ lautet, dass Fußarbeit in den Quellen aus dem Spätmittelalter und der frühen Renaissance scheinbar kaum Erwähnung findet. Die Texte zum „Schwertkampf“ lassen sich angeblich nicht über die Bewegung der Füße aus. In den Abbildungen seien die Fuß- und Beinstellungen unrealistisch dargestellt und dienen lediglich als Hinweise für Anfangs– und Endpositionen.

Gute Fußarbeit ist anstrengend und zeigt sich nicht durch großartige Schwünge der Klinge. Sie erfordert präzise Kontrolle und sehr stetiges Üben. Kurzum sie ist für die meisten modernen Schwertkämpfer unattraktiv. Die Begründungen für die Vernachlässigung ist jedoch fadenscheinig. Denn die Bewegung der Füße war für die Verfasser der Fechtbücher von hoher Bedeutung.

Aufgaben der Fußarbeit

Die Aufgaben der Fußarbeit sind klar: Gleichgewicht (die Waage) halten und jederzeit die Beine bewegen können. Daraus ergibt sich je nach Körperbau ein eigener Bewegungsablauf, der in steten Übungen unter Stress und Belastung herausgefunden werden muss. Laufen, Rennen und Springen lernt man bis zum 10. Lebensjahr, danach kann man es nur noch schwer manipulieren. Will man also im Kampf besser laufen, so muss man seinen Körper dahin gehend trainieren. Dies ist ein langer Prozess und es wäre falsch, den Körper zu früh zu einer Bewegung zu bringen, die er noch nicht beherrschen kann. Somit laufe man am Anfang möglichst natürlich, mit dem Ziel ausgerichtet, den Körper möglichst schnell dahin zu bringen, wo er hin soll, wobei die in den vorigen Kapiteln genannten Bedingungen hinsichtlich Hoch und Tief und Gleichgewicht des Oberkörpers zwingend beachtet werden müssen.

In Übungen verbessert man die Laufarbeit bei dem Erhalt der natürlichen gewohnten Bewegung, die sich nach und nach verändert. Diese Übungen unterliegen nur einem Ziel: die eigene Kraft in den Gegner lenken ohne an Stabilität zu verlieren.

Fußarbeit ist Laufarbeit

Wir laufen dann richtig, wenn unsere Waffen zwischen uns und dem Gegner sind. Wir laufen dann falsch, wenn wir uns vor den Waffen bewegen und irgendein Körperteil vom Gegner erreicht werden kann.

Die Waffe bewegt sich immer vor den Füßen! Können wir mit unserer Kombination von Fuß- und Handbewegung den Gegner nicht treffen, so muss die Waffe vor uns ankommen und den Gegner aufhalten (so oder so). Können wir den Gegner treffen, so spielt die Reihenfolge keine Rolle. Leider treffen wir nicht mit jedem Schlag, somit muss die Hand vor dem Fuß agieren. Tatsächlich muss die Hand in der Lage sein, die Waffe in drei Bewegungen zu bringen, während man nur einen Tritt vollbringt. Dies ist zu üben.

Quellenkunde zur Fußarbeit

In den glossierten Fechtstücken werden wir belehrt, welcher Fuß am Anfang vorne steht. Wir erhalten Hinweise, welches Bein sich bewegen soll. Doch was wir in der Annährung mit unseren Beinen anstellen sollen wird in den Fechtstücken nur sehr selten geschrieben.

Die illustrierten Fechtstücke unterliegen der Notwendigkeit, möglichst viele Informationen in ein einziges Bild zu pressen. Wir erhalten nur absoluten Ausnahmen eine Bilderserie, die den Anfangs– und Endpunkt einer Bewegung mit der Fußbewegung zeigt. Ästhetische Aspekte und die zeitgenössischen Stilmittel erschweren die nachvollziehbare Darstellung. Trotzdem sind die grundlegenden Fußbewegungen der Fußarbeit erkennbar.

Was man im Ringen lehrt, lehrt man im Schwert nimmer mehr

In der Erforschung mittelalterlicher Handschriften zur Kampfkunst ist zu beachten, dass sie Wiederholungen weitgehend vermeidet. Redundanzen kommen dort vor, wo ein besonderes Prinzip vermittelt werden soll. Allgemein wird vermieden, etwas das in einem Bereich gelehrt wurde, an anderer Stelle zu wiederholen.

Oft wird nicht beachtet, dass mittelalterliches Fechten eine Allkampf-System darstellt. Es war niemals vorgesehen, dass sich ein Jüngling allein nur im Schwertkampf übt. Daher wurden Bewegungsmuster an der Waffe gelehrt, die für diese Bewegungsmuster die beste Eignung hatte. In der Fußarbeit ist es somit zwingend gegeben, den Dolchkampf und die unbewaffnete Kampfkunst der Fechtbücher zu untersuchen. Diese enthalten die wesentlichen Hinweise auf die Körperbewegungen.

Aus den Quellen

Fußarbeit einer spanischen QuelleNach GMN3227a 15v:  Auch im Gefecht soll man in der Bewegung Maß halten. Man soll nicht allzu weit ausschreiten, sondern so, dass ein Schritt sofort wieder zurück genommen werden kann, egal ob er nach vorne, zur Seite oder nach hinten stattfindet. Besser sind zwei kurze, denn ein langer Schritt, ein großer Schritt oder Sprung ist nur dann angebracht, wenn man sehr viel Raum gewinnen muss.

Nach GMN3227a 16r:  Die Bewegung ist völlig entspannt, wenn die Distanz des Zufechtens noch nicht erreicht ist, dann jedoch wird sie schnell und zielgerichtet, doch während die Waffe den direkten und geraden Weg zum Gegner sucht, soll man selbst nicht gerade auf ihn zulaufen. Es gilt den Zeitpunkt zu finden, bei dem man den Gegner sicher erreicht und somit den Vorschlag gewinnt.

In keinem Hau darf der Fuß die gleiche Richtung wie die Klinge nehmen. Es gilt in der Fußarbeit ständig den Gegner zu winkeln. In den Stichen kann der Fuß in Ausnahmefällen dem Ort folgen, aber auch hier ist das seitliche Austreten die sicherere Variante (siehe GMN3227a 19v).

Philippo di Vadi, schildert in seinem Werk “De Arti Gladiatoria” (1487) die Knie und Beine als “Schlüssel” zur Fußarbeit und zum Stand.

E chi queste chiave cum seco non averà / A questo giuoco poca Guerra farà.
Le gambe chiave se po’ben diri / Per che li ti serra e anche ti po’ aprire.

Die Knie (können berechtigt „Schlüssel” genannt werden, denn sie können (sich) schließen oder öffnen. Sie bestimmen, ob man hoch oder niedrig steht und in welche Richtung man sich wie weit bewegt.

Weitere Hinweise gibt Philippo di Vadi als verschlüsselten Vers neben der Abbildung des rechten Fußes: Tu vedi el sol che fa gran giramento / E donde el nasce fa suo tornamento / Il pé com el sol va convien che torni / Se voii ch’el giuoco toa persona adorni. Damit vergleicht er den rechten Fuß mit der Sonne, die sich in einem Bogen bewegt und immer wieder zurück an ihren Platz kehrt. Für den linken Fuß dichtet er: El pié stanco ferma senza paura / Como rocha fa che sia costante / E poii la tua persona serà tuta sicura. Philippo di Vadi empfiehlt den linken Fuß zur eigenen Sicherheit und Stabilität firm und stabil zu halten. Doch sollte einer der Beine oder Füße „belästigt” werden, so sollen sie wie eine Mühle sich drehen und ihre Position wechseln.

Die für den Nahkampf teilweise gut geeignete Fußarbeit, immer in derselben Höhe zu bleiben, ist für den Kampf mit Schwertern nur gut, wenn man auch in der gleichen Weise auch zum Gegner bleibt. Doch da sich die eigenen Klinge unter- oder oberhalb der gegnerischen befinden kann, sollte man dafür Sorge tragen, dass der eigenen Körper sich maßgeblich auf der anderen Seite befindet. Habe ich also eine Überbindung (mein Schwert liegt oben), so kann ich ruhig aufrecht und hoch sein. Liegt meine Klinge unter der anderen, so ist eine aufrechte Haltung eine Einladung für mehr Trefferfläche.

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