1880-1905 Wiener Fechtclub “Haudegen”

Der Fechtclub Haudegen Wien wurde von Josef Schmied-Kowarzik (Fechtsporthistoriker, Privatgelehrter, Publizist und Maler in Mödling bei Wien), Hans Kufahl (Vorsitzenden des Reichsdeutsch-Österreichischen Fechtverbandes) und Prof. M. Werdnik (Universitätsfechtmeister) zwischen 1879-1880 gegründet. Die Hauptaufgraben des Vereins waren der Geschichte des Zweikampfs und der verschiedenen Fechtsportarten. In diesem Verein übte man in umfangreichen theoretischen und praktischen Studien an historischen Waffen (zweihändiges Schwert, Dussak, Dolch, Degen, Hellebarde, italienischer Säbel u.a.). Josef Schmied-Kowarzik und Hans Kufahl verfassten das “Fechtbüchlein” (1894) und “Duellbuch” (1896) mit umfangreichen historischen Quellenmaterials.

Modern und Historisch im “Haudegen Wien”

Neben der Pflege der modernen Fechtwaffen hatte sich der Wiener Fechtklub der Aufgabe angenommen, das historische Fechten zu erforschen und praktisch zu üben. In Frankreich und England gab es zeitgleich ähnliche Bestrebungen, Der “Haudegen Wien” versuchte sich jedoch auch im Kampf mit Schwert und Schild nach Gladiatorenart anzueignen. Dies anhand der mühsam erforschten Regeln und Satzungen dieser Fechtarten, die in den zeitgenössischen Schriftwerken und Abbildungen enthalten sind. Es handelte sich dabei nicht um theatermäßige Schaustellungen, sondern um den Versuch der exakten Rekonstruktion in Vergessenheit geratener, einst zunftmäßig geübter Fechtweisen.

Der Fechtklub “Haudegen Wien” erzielte mit seinen Vorführungen der rekonstruierten Fechtkunst in den 1890er Jahren in Wien eine gewisse Berühmtheit. Die Darstellung der Historischen Fechtkunst zur Tausendjahrfeier von Mödling 1904 erregte internationales Interesse. Und so finden wir in der Zeitung “The Tatler” vom 12. Juli 1905 eine Kopie der Artikel aus “Österreichs Illustrierte Zeitung”. Tony Wolf hat die englische Ausgabe aufgefunden uns dankbar die Bilder von seiner Webseite (www.bartitsu.org) zur Verfügung gestellt.

Das Ende des “Haudegen Wien”

Sportlich hatten Fechter wie der erfolgreiche Säbelfechter Richard Wimmer eher eine andere Richtung im Sinn. Auch wenn er hier noch mit historischen Waffen und Kostüm posiert, gründete er mit andere Kollgen 1907 den “Wiener Fechtklub”. Dass der ehemalige Vertretr des Obmanns des Fechtklubs “Haudegen” einen neuen Verein gründete, schadete dem alten Verein enorm. Die weitere Geschichte der “Haudegen” ist mir nicht bekannt. Das Interesse an der Historischen Fechtkunst hatte vermutlich spätestens im Ersten Weltkrieg stark abgenommen.

Haudegen, Wien 1905
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Quellen:
Sport und Salon, Wien, 22. März 1900 und  21. September 1907
“The Lost Art of Self-Defence – Forgotten Methods of Fighting Revived by a Viennese Fencing Club” (1905)


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